Schlagwort: Joaquin Phoenix

Kritik: A Beautiful Day (USA 2017)
Drama, Kritiken, Thriller

Kritik: A Beautiful Day (USA 2017)

They said you were brutal. - I can be. Unter einer Plastiktüte scheint Joe, der Protagonist von Lynne Ramsays neuem Film A Beautiful Day, direkt zu Beginn seine letzten Atemzüge zu tätigen. Das schwere Schnaufen innerhalb kurzer Sekundentakte bedeutet für den bulligen, schweigsamen Mann allerdings nicht das Ende, denn plötzlich ist da wieder etwas, ein Geräusch oder ein kurzes Bild vor Joes geistigem Auge, das ihn ins Leben zurückpeitscht. Kurze Gedankenblitze und schockierende Erinnerungsfetzen aus Joes geschädigter Seele, die Kindheitstrauma, Kriegsschrecken und Tatort-Grausamkeiten umfassen, lässt die Regisseurin immer wieder wie kleine Splitter in die Handlung ihres Films einbrechen, der ohnehin wie die brüchige, fiebertraumähnliche Variante eines gewöhnlichen Action-Thrillers e...
Kritik: Maria Magdalena (GB 2018)
Drama, Filme, Kritiken

Kritik: Maria Magdalena (GB 2018)

„I will not be silent, I will be heard.“ Nachdem er mit seinem ersten Langfilm Lion die auf wahren Hintergründen beruhende Geschichte des in Indien geborenen Schriftstellers Saroo Brierley inszenierte, der im Kindesalter sein Zuhause verlor, von einem australischen Paar adoptiert wurde und schließlich im Erwachsenenalter mithilfe von Google Earth seine Heimat wiederfinden konnte, widmet sich Regisseur Garth Davis in seinem neuen Werk einem biblischen Stoff. Dabei handelt es sich bei dem Film, in dem Joaquin Phoenix die Rolle des Jesus spielt, in erster Linie um eine Art Ehrwürdigung für die titelgebende Maria Magdalena, die Jesus neben den anderen männlichen Aposteln begleitet haben soll und auch bei dessen Auferstehung am Grab als einzige Zeugin anwesend war. Den Überlieferungen de...
Berlinale 2018 – Tage 6 bis 8: In den Gängen tobt das Leben
Festivals, Slider, Specials

Berlinale 2018 – Tage 6 bis 8: In den Gängen tobt das Leben

Puh, Endspurt! Die Berlinale 2018 neigt sich ihrem Ende entgegen und es wird auch langsam Zeit. Gerade in den vollgestopften Kinosälen, in denen seit nunmehr fast zehn Tagen Kritiker aller Länder gemeinsam eingesperrt sind, geht es mit der Freundlichkeit und auch der Hygiene rapide bergab. Kleines Beispiel gefällig? Gestern entstand gleich neben mir folgende Gesprächssituation: „Könnten Sie das bitte nicht in meine Richtung schnipsen?“ „Was bitte?“ „Das, was Sie da unter Ihren Fingernägeln hervorholen. Könnten Sie das BITTE nicht in meine Richtung schnipsen? Schnipsen Sie es doch BITTE nach vorne.“ Mhmmm...lecker. Meine Sitznachbarn waren bisher glücklicherweise alle angenehm umgänglich. Und auch meine Stimmung hat sich nach meinem persönlichen Tiefpunkt der diesjährigen Berlinale, K...
Filmkritiken zu „Steve Jobs“, „Irrational Man“ und „Macbeth“
Heimkino, Kritiken, Slider

Filmkritiken zu „Steve Jobs“, „Irrational Man“ und „Macbeth“

  Steve Jobs (USA 2015) von Danny Boyle, u.a. mit Michael Fassbender, Kate Winslet und Seth Rogen Für Steve Jobs sind Computer Gemälde. Kunstwerke, nuanciert und erfüllend. Ihm, dem popkulturellen Phänomen, dem Revolutionär und Visionär, fehlt indes die entscheidende Distanz zur Materie, um erkennen zu können, dass sein Kunstwerk, welches schließlich auch quasi aus seiner eigenen Rippe erbaut wurde, nicht nur in rein technologischer Brillanz überwältigt, es trägt auch seine menschlichen Makel in sich, wie Steve Wozniak in einer Rückblende prägnant festhält. Sie sind miteinander verschmolzen. Danny Boyle ist der richtige Mann, um sich dieser Person anzunehmen, die nicht nur eine Delle ins Universum schlagen sollte, sondern auch ein manischer Egomane war, dem Michael Fassbender i...
Kritik: Irrational Man (USA 2015)
Filme, Heimkino, Kritiken, Slider

Kritik: Irrational Man (USA 2015)

I wanted to be a world changer and I've ended up a passive intellectual who can't fuck. Wenn sich Anne Franks Familie auf deinem Dachboden verstecken würde und die Nazis an deine Tür schlagen und nach ihr fragen, wärst du laut Immanuel Kants berühmtem kategorischen Imperativ verpflichtet die Wahrheit zu sagen. Unfassbar, aber ein allgemein gültiges moralisches Gesetz kann nur funktionieren, wenn es ausnahmslos eingehalten wird, auch wenn es Personen begünstigt, die nicht richtig handeln. Das ist eine der analytischen Beobachtungen, die Abe Lucas (Joaquin Phoenix), seines Zeichens resignierter Utopist und trunksüchtiger Professor der Philosophie am Newport-College, seinen Studierenden schildert. Aber eine Ethik, die den Nazis hilft, kann doch nicht richtig sein, oder? Insoweit sind s...
Kritik: Inherent Vice (USA 2014)
Filme, Heimkino, Kritiken

Kritik: Inherent Vice (USA 2014)

She came along the alley and up the back steps the way she always used to. Doc hadn't seen her for over a year. Nobody had. Back then it was always sandals, bottom half of a flower-print bikini, faded Country Joe & the Fish t-shirt. Tonight she was all in flatland gear, hair a lot shorter than he remembered, looking just like she swore she'd never look. Erich von Stroheim hat 1924 Frank Norris' Roman „McTeague“ angeblich Seite für Seite verfilmt. Heraus kam „Gier“. Der acht bis zehn stündige „Director's Cut“ ist bis heute verschollen, da das Studio Stroheims megalomanische Adaption radikal stutzte und verscharrte. Es existiert nur noch eine 239 minütige restaurierte Fassung. Auch Stanley Kubrick adaptierte gerne Literatur. „"If it can be written or thought, it can be filmed.“" s...
Kritiken

"Her" (USA 2013) Kritik – Herkömmliche Beziehungsdramödie 3.0

Autor: Florian Feick „She's not just a computer.“ In Zeiten, in denen der Fortschritt moderner Technologien immer größer und künstliche Intelligenzen immer sozialer werden, erscheint es bloß als logische Konsequenz, die Thematik dahingehend weiterzuspinnen, dass bald womöglich sogar (Liebes-)Beziehungen mit Prozessoren und Schaltkreisen allerhöchstens eine Frage der Ethik, nicht aber der Unmöglichkeit sind. In einem unbestimmten Jahr in der Zukunft: Smartphones diktieren längst unser Sozialverhalten, der morgendliche Weg zur Arbeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gleicht mehr einer Realitätsflucht To Go denn dem tatsächlichen Verbinden zur Außenwelt und die urbane Gesellschaft scheint mittlerweile am Punkt der totalen Isolation angelangt. Kurzum, all die bitteren Konsequenzen eskap...
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Kritik: The Master (USA 2012)

Autor: Conrad Mildner "What a horrible young man you are. This is acting like an animal. A dirty animal that eats its own feces when hungry." Die Leinwand ist schwarz und in schmucklosen, weißen Lettern erscheint der Titel „The Master“ auf der Leinwand. Beinahe wähnt man sich in einem Woody-Allen-Film bei solch einem reduktionistischen Vorspann. Erinnern sie sich noch daran als die Filme von Paul Thomas Anderson wie große Spektakel anfingen? Da gab es berauschende Scorsese-eske Kamerafahrten in „Boogie Nights“ oder einen Schneller-als-du-denken-kannst-Prolog inklusive einer bunten Vorspann-Collage in „Magnolia“. Doch irgendwann zwischen 2002 und 2007, zwischen „Punch-Drunk Love“ und „There Will Be Blood“ fand eine radikale Wandlung statt. Der zügellose Sturm-und-Drang hoffnungslos ver...
Kritiken

"Two Lovers" (USA 2008) Kritik – Joaquin Phoenix gefangen zwischen zwei Frauen

"Es war gar nicht dein Wunsch, dass ich herkomme, habe ich Recht?" Ein Regisseur der Marke James Gray, hat es in der Filmwelt nie wirklich einfach. Zum einen liegt das an der fehlenden populären Kraft, die ihm in der Öffentlichkeit den nötigen Medienwirbel verschenkt, so seine Persönlichkeit in den Vordergrund stellt und für die breite Masse auch interessanter. Zum anderen liegt es auch an den Filmen selber, die zwar immer über eine gewisse Starbesetzung verfügen, aber nie die Thematik wählen, die das große Publikum anlocken. Natürlich kann es auch letzten Endes an der eigentlichen Umsetzung liegen, die ein bestimmtes Werk scheitern lässt. In der Filmographie des New Yorkers lassen sich Werke wie „Little Odessa“, „The Yards“ und „Helden der Nacht“ entdecken. Sollte man diese Filme nicht...
Kritiken

"Signs – Zeichen" (USA 2002) Kritik – Sind wir wirklich allein?

"Du kannst doch auch am Fernseher umschalten. - "Das hab ich schon versucht. Es läuft auf jedem Programm dasselbe." Nachdem sich M. Night Shyamalan im Jahre 1999 dank seines persönlichen Meisterwerkes „The Sixth Sense“ mit den Titeln wie „neue Filmhoffnung“ und „Regiewunderkind“ umkleiden durfte, waren die Erwartungen auf die kommenden Filme des Inders natürlich dementsprechend hoch. Shyamalan musste mit dem harten Boden der Realität in Berührung kommen und die Kritik prasselte in abzusehender Art und Weise auf ihn sein. „Unbreakable“ konnte die Klasse von „The Sixth Sense“ nicht erreichen, ein schlechter Film war es dennoch nicht, denn Shyamalan beherrscht es durchaus, seine Filme überzeugend zu inszenieren, es scheitert nur letztlich an den löchrigen Drehbüchern, ebenfalls immer von M...