Venedig 2022: All the Beauty and the Bloodshed – Der Gewinner des Goldenen Löwen

– gesehen im Rahmen der 79. Filmfestspiele von Venedig 2022 –

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© Nan Goldin

Der Gewinner des diesjährigen Goldenen Löwen steht fest. Und es durfte, wie schon in den vergangenen zwei Jahren (Audrey Diwan sowie Chloé Zhao),  vollkommen verdient und obwohl die Konkurrenz nicht ohne war eine Regisseurin den Hauptpreis entgegennehmen. Es ist allerdings gerade deshalb eine große Überraschung, dass All the Beauty and the Bloodshed ausgezeichnet wurde, weil es sich um eine Dokumentation handelt. Den Oscar für den besten Dokumentarfilm konnte Laura Poitras zwar bereits 2015 mit ihrem mit der Kamera festgehaltenen Treffen mit Edward Snowden (Citizenfour) gewinnen – auch heute noch absolut sehenswert! Doch mit All the Beauty and the Bloodshed setzt Laura Poitras jetzt ein wirklich meisterhaftes Zeichen gegen institutionelle sowie politische Korruption, indem sie sich der Künstlerin Nan Goldin annimmt, die jahrzehntelang dafür kämpfte, dass die Sackler-Familie – seinerzeit die größten selbsternannten Philanthropen der Welt – zur Rechenschaft gezogen wird. In dieser dokumentarischen Form erzählt und im Zusammenhang mit der aktuellen weltweiten Politik, erweist sich Nan Goldins Kampf gegen den Pharmakonzern bzw. gegen den Vertrieb des Schmerzkillers Oxycontin, dessen Einführung als Urknall der noch heute andauernden Opioid-Krise gilt und alljährlich allein in den USA für zehntausende von Toten verantwortlich ist, als absolut wegweisend und zeitlos. Ihre Lebensgeschichte rührt obendrein nicht nur einmal zu Tränen. In diesem Sinne: Auf einen möglichst baldigen Kinostart! [Clip]

Die weiteren Auszeichnungen im Folgenden im Überblick – auch hier sind ein paar wirklich fantastische Überraschungen dabei, auch wenn ich leider, da ich nur bis zum 6. September vor Ort in Venedig war, bisher nicht alle Filme sehen konnte. Hier geht es zur Übersicht aller Filme, die im Wettbewerb um die Preise standen.

– Großer Preis der Jury: „Saint Omer“ von Alice Diop: Leider noch nicht gesehen, aber es ist anzumerken, dass es aktuell wirklich kein Festival ohne eine Auszeichnung für eine französische Produktion gibt.

– Silberner Löwe für die beste Regie: Luca Guadagnino für „Bones and All“: Mit dieser Kannibalen-Romanze konnte ich persönlich nicht sonderlich viel anfangen, meine Kritik hierzu gibt es zum Kinostart am 24. November.

– Preis für das beste Drehbuch: Martin McDonagh für seinen selbst geschriebenen „The Banshees of Inisherin“: Was soll ich hierzu noch sagen, außer dass diese Auszeichnung absolut verdient ist! Mehr dazu in meiner Kritik.

– Preis für die beste Schauspielerin: Cate Blanchett für „Tár“ von Todd Field: Leider noch nicht gesehen (hat sich in meinem Programm mit White Noise überschnitten), aber diese Auszeichnung stand bereits ab des ersten Festivaltages fest. Von Ana de Armás hatte man zwar ebenfalls Großes erwartet, da Andrew Dominiks Biopic Blonde mit ihr als Marilyn Monroe jedoch bei den meisten für Enttäuschung sorgte, gab es für Cate Blanchett im diesjährigen Wettbewerb keine wirkliche Konkurrenz mehr.

– Preis für den besten Schauspieler: Colin Farrell für „The Banshees of Inisherin“ von Martin McDonagh: Eine großartige Entscheidung, obwohl Brendan Frasers außergewöhnliches Comeback in Darren Aronofskys The Whale hiermit übergangen wurde. Colin Farrell hat aber definitiv schon lange mehr Aufmerksamkeit in Sachen Auszeichnungen verdient – vielleicht ist ja dieses Jahr auch ein Oscar drin? Es wäre ihm zu wünschen!

– Spezialpreis der Jury: „No Bears“ von Jafar Panahi: Leider noch nicht gesehen.

– Marcello-Mastroianni-Preis für den besten Jungdarsteller: Taylor Russell für „Bones and All“ von Luca Guadagnino: Wie oben bereits erwähnt, konnte ich mit diesem Film nicht sonderlich viel anfangen, Sadie Sink mit ihrer Leistung in Darren Aronofskys The Whale hätte meiner Meinung nach den Preis mehr verdient gehabt.

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